20. Oktober 2013

KAMISHIBAI

In dieser Woche habe ich für die Stadtbibliothek Brilon zwei Einführungs-Workshops für ehrenamtliche VorleserInnen geleitet. Diese sehr engagierte Stadtbibliothek hat seit 2011 einen ihrer Arbeitsschwerpunkte im Bereich Medienerziehung und unter anderen aus diesem Grund auch ein ausleihbares Kamishibai.

Ein Kamishibai (kami = Papier, shibai = Theater) ist eine Art aufklappbarer Bilderschaukasten und ist als Form des öffentlichen Theaters zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Japan entstanden. Die Vorführer des Kamishibai, die als Süßwarenverkäufer mit dem Fahrrad von Dorf zu Dorf fuhren, erzählten mit kurzen kindgerechten Texten zu wechselnden Bildern, die in diesen bühnenähnlichen Holzrahmen geschoben wurden. Die Vorstellungen selbst waren kostenlos und dienten im Grunde lediglich dazu, den Verkauf der Süßigkeiten anzukurbeln.

In Deutschland erst seit wenigen Jahren bekannt, wird dieses japanische Bildtheater im Leseförderungs-und Spracherwerbs-Kontext als Erzähl-, Vorlese- und Spielmöglichkeit eingesetzt. Meist handelt es sich dabei um Märchenkarten.

Das Kamishibai kenne ich bereits seit längerem, aber in der Briloner Stadtbibliothek habe ich in dieser Woche zum ersten Mal eine Erweiterung seiner Einsatzmöglichkeiten kennengelernt und zwar für die Begleitung von Menschen mit Demenz.

So wurden spezielle Bildkarten-Sets angefertigt, die in Form alter Schwarz-Weiß-Aufnahmen typische Arbeits- und Alltagssituationen aus der Kindheit der an Demenz Erkrankten zeigen: Brot backen, Feldarbeit, Waschtage oder Schinken, der in einer Metzgerei hängt.

Die Ausstrahlung dieser alten Fotos plus die Größe der Bilder plus der besondere „Rahmen“ eines Kamishibai können als besonders intensive Erzählimpulse Erinnerungen wecken und zum Erzählen anregen. Das hat mich berührt. Und ich habe gedacht: es wird vermutlich gar nicht mehr lange dauern, bis diese Kamishibai-Erzähl-Variante Teil unseres gesellschaftlichen Alltags sein wird.

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