30. September 2012

MAL WAS ANDERES: POSITIVE AUSWIRKUNGEN DURCH NEUE MEDIEN

Gerade komme ich aus dem Sauerland zurück. Dort habe ich drei Fortbildungen für ehrenamtliche VorleserInnen geleitet und natürlich war auch der Aspekt „Lesen contra Computer & Handy“ immer wieder Thema. Die Balance zu halten zwischen vorurteilsfreiem Akzeptieren der starken Präsenz Neuer Medien im Lebensalltag von Kindern einerseits und dem vorbehaltlosen Fördern der Lesekultur andererseits ist nicht leicht.

Auf dem Rückweg nach Berlin lese ich in der Wochenendausgabe der SZ den Artikel „Google statt Gehirn“, der – ideal zum Thema passend – von einigen positiven Auswirkungen des Umgangs mit Neuen Medien berichtet, die mittlerweile eindeutig nachgewiesen werden konnten. Diese Kinder haben einen wesentlich besseren Umgang mit Bildern und Symbolen, ihre räumliche Orientierung sowie das Visualisieren von Dingen funktioniert besser. Als Erwachsene besitzen sie dann – laut Medienpsychologin Patricia Greenfied von der University of California – „die visuelle Kompetenz, die in vielen Berufen gebraucht wird.“

So können beispielsweise geübte Computerspieler eine Bauchspiegelung bei einem virtuellen Patienten besser durchführen als trainierte Chirurgen, da sie geübt sind, in einem dreidimensionalen Raum zu agieren, ohne dass es taktiles Feedback gibt. Und Counterstrike-Spieler seien beispielsweise im Beruf des Piloten besonders qualifiziert, da es ihnen leicht fällt, ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Ereignisse gleichzeitig zu richten.

Natürlich gibt es auch eine Kehrseite: je besser im Multitasking, umso schlechter in der Konzentration auf eine einzige Sache und entsprechend schlechter auch das Gedächtnis.

Außerdem werden durch die so genannten Echtzeit-Medien Fähigkeiten wie Innehalten, um nachzudenken – eine zentrale kreative Fähigkeit – eindeutig bestraft statt gefördert. So stehe nach wie vor und ganz eindeutig fest: „Nur wer als Kind und Jugendlicher regelmäßig liest, wird das kreative Potenzial seines Gehirns wirklich entfalten. Das ist etwas, was kein Forscher bezweifelt.“

Das ist für uns natürlich nicht verwunderlich. Und dennoch: ein klein wenig bin ich erstaunt, dass sich in diesem Punkt anscheinend alle WissenschaftlerInnen einig sind. Dass es so etwas noch gibt… (Oder kennen Sie eine andere These?)

Ich werde diesen Artikel zu den nächsten Vorlese-Workshops mitnehmen.

zurück