20. Dezember 2015

ONOMATOPOETISCHES WEIHNACHTEN

IMG_9122Vorgestern war ich zum zweiten Mal bei meiner neuen Zahnärztin. Sie ist jung und hat für ihre neu eröffnete Praxis ein ambitioniertes Ausstattungs-Konzept. Liegt man beispielsweise auf dem Behandlungsstuhl und blickt zur Decke, sieht man direkt auf einen Flachbildschirm, auf dem irgendwelche Naturfilme laufen. Letztes Mal lief einer über Grizzly-Bären.

Ich schließe bei ZahnärztInnen grundsätzlich lieber die Augen, als dass ich über und neben mir Flutlichter, Bohrer, Speichelschläuche und Schutzbrillen sehe, aber vorgestern werfe ich trotzdem einen kurzen Blick auf den Bildschirm, bevor ich meinen Mund öffne, und sehe einen Riesenwal, der gerade sein Maul aufreißt (wirklich wahr!). Darunter die Bildunterschrift „Das größte Säugetier der Welt ernährt sich vornehmlich von den kleinsten Lebewesen: Krill.“

Krill… dieses Wort sage ich mir während der Behandlung innerlich immer vor, um mich ein wenig abzulenken. Krill, Krill, Krill…. Eines dieser Wörter, die immer seltsamer werden, je öfter man sie wiederholt. Ein Phänomen, das Sie vermutlich kennen, richtig? Aber warum ist das eigentlich so?

Auf einer meiner – ich nenne sie mal Lieblings-Unterhaltungs-Recherche-Websites: www.gutefrage.net sehe ich später am Tag nach, ob schonmal Jemand diese Frage gestellt hat. Und natürlich hat Jemand. Annalena1996 nämlich. Und zwar am 28.09.2010.

Sie fragt: „Warum hören sich Wörter komisch an, wenn man sie ständig wiederholt? Fragt ihr euch das nicht auch manchmal? Man denkt über ein Wort nach, wiederholt es ein paar mal und dann wundert man sich darüber, dass es so komisch klingt ?! :D“

Und am selben Tag noch antwortet Hifiech: „Das kenn ich auch. Liegt daran, dass man sich bei mehrfachem Wiederholen selber zuzuhören beginnt. Das Wort selbst verliert dann seine zugeordnete Bedeutung, und der Klang schiebt sich ins Bewusstsein. Einige Musiker arbeiten mit diesem Phänomen indem sie ihre Texte so schreiben, dass die einen Klang annehmen. Viele Worte bedeuten sogar das, wie sie klingen: das nennt man dann „onomatopoetisch“ – Beispiele: zisch, bumm, knacks.“

Was passiert, wenn man beispielsweise das Wort Weihnachten immer wieder wiederholt? Weihnachten, Weinachten, Wein achten, Why nachten?, Why Nacht, N.?, Wai Na Chten, Wein? ach: ten, Weihnachten…

Dieses Jahr wird ein sehr spezielles Weihnachten sein: allein schon durch die extreme politische Weltsituation, in der wir uns befinden. Ich finde, dass gerade an Weihnachten besonders deutlich wird, wie wichtig es ist und auch wie schwierig es sein kann, eine passende Haltung dazu zu finden. Engagement nach außen? Cocooning nach innen? Beides? Aber was heißt das konkret?

Was möchte ich Ihnen für Weihnachten wünschen? Ich wünsche Ihnen und auch mir selbst, dass wir dieses Weihnachten authentisch leben können. So wie es uns in diesem Jahr, Hier & Heute, entspricht. Damit sich der Klang des Wortes Weihnachten mit dem, was Weihnachten für uns individuell ausmacht, verbinden kann. Damit Weihnachten für uns stimmig ist. Ein onomatopoetisches Weihnachten sozusagen. Ja, das wünsche ich uns.

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