01. April 2012

READ & MEET

Meine Gedanken haben sich direkt überschlagen, als ich folgende Meldung vorgestern im Newsletter des Börsenblatts (des Dt. Buchhandels) gelesen habe: Das Forum Zukunft und der mediacampus frankfurt starten eine neue Initiative, um das Konzept interaktiver Leserunden in der Branche zu etablieren. Die Initiative heißt „Read&Meet“: Lesebegeisterte können sich in einer Online- und einer Offline-Leserunde über einen ausgewählten Titel austauschen und ihn diskutieren. \“Anders als in den USA oder Großbritannien gibt es hierzulande kaum Verlage und Buchhandlungen, die Leserunden für ihr Marketing und zur Kundenbindung nutzen\“, sagt Jasmin Marschall vom mediacampus frankfurt.

Zuerst dachte ich…

… an die Veranstaltungsreihe LiteraturLounge, die ich für Dussmann das Kulturkaufhaus ein ganzes Jahr lang einmal monatlich geleitet habe: eine Diskussionsrunde zu jeweils einer aktuellen deutschen Neuerscheinung. In bequemen Sesseln habe ich mit rund 10 interessierten KundInnen diskutiert, die das Buch vorab alle gelesen hatten.

Ganz offensichtlich war das für Deutschland innovativ und darüber freue ich mich.

Dann dachte ich…

… wie absurd es ist, ein Treffen mit Menschen als „offline“ zu bezeichnen. Nichts Neues, ich weiß, aber dennoch. Natürlich geht mir die Tradition der Literarischen Salons, gerade auch hier in Berlin, durch den Kopf. Außerdem die vielen privaten Zirkel, in denen sich FreundInnen über Bücher austauschen etc. Alles „offline“ sozusagen. Ein deutliches Beispiel dafür, wie sich die Perspektive geändert hat und „online“ – zumindest in manchem Kontext – die selbstverständliche Kommunikationsform ist, von der aus alles andere betrachtet wird.

Und schließlich dachte ich…

… ob es interessant sein könnte, selbst einen solchen Online-Buchclub anzubieten. Auszuprobieren, ob und wie sich in diesem Format eine angeregte, lebendige Diskussion entwickeln kann. Welchen Unterschied es macht, NICHT die Leidenschaft in der Stimme einer Teilnehmerin zu hören, die von der Sprache einer Autorin fasziniert ist. Und NICHT die skeptische Miene eines Teilnehmers zu sehen, der davon eher abgeschreckt ist. Wer kommt zu Wort? Die, die nicht lange nachdenken und schnell tippen können. Aber was ist mit denen, die zögern und vielleicht erst durch eine Frage von mir motiviert sind, ihre Ansicht zu formulieren? Wie kann ich spüren, an wen ich mich wenden soll?

Und natürlich: Wer würde an einem solchen Online-Buchclub (den Ausdruck „Leserunde“ finde ich fürchterlich altmodisch) teilnehmen wollen?

So frage ich Sie direkt: wäre das Etwas für Sie? Würde Sie das interessieren? Und unter welchen Umständen?

Ich bin wirklich auf Ihre Antwort gespannt – und wer weiß…

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