7. April 2013

WHAT IS THE RELATIONSHIP BETWEEN THE WORLD AND THE ARTIST?

Ich komme gerade von der Yoko Ono Ausstellung in der Frankfurter Schirn, die anlässlich des 80. Geburtstags der Künstlerin eine große Retrospektive zeigt.

Onos vielseitiges, anregendes und engagiertes Werk beeindruckt mich sehr. Als wegweisende Fluxus-Künstlerin war ihr Sprache immer äußerst wichtig (ganz abgesehen davon, dass sie in New York unter anderem Creative Writing studiert hat). Zum Beispiel in ihren Touch Poems oder den vielen Instruction Pieces und Event Scores: in Worten, nicht in Notenschrift festgehaltene Partituren, die zu körperlichen Aktionen auffordern.

Im Zug zurück nach Berlin lese ich im Katalog ihre Rede „What is the Relationship between the World and the Artist?“ die sie 1971 im Rahmen des Film Festivals von Cannes gehalten hat.

Sie spricht darin von der Verunsicherung der damaligen KünstlerInnen, die nicht mehr wissen, „ob sie etwas schaffen, das in diesen Tagen und in diesem Zeitalter, da die gesellschaftlichen Probleme so drängend und gravierend sind“ noch Wert besitzt.

KünstlerInnen seien nicht dazu da „zu zerstören oder zu erschaffen. (…) Die Welt hat bereits alles was sie benötigt.“ Die Aufgabe von KünstlerInnen bestehe im Gegenteil darin, „den Wert der Dinge zu verändern“ und dies gelänge nur mit der von ihr so genannten Totalen Kommunikation.

„Es gibt nur noch zwei Klassen in unserer Gesellschaft. Die Klasse, die kommuniziert, und die Klasse, die nicht kommuniziert. Ich hoffe, dass es morgen nur noch eine geben wird. Totale Kommunikation ist gleichbedeutend mit Frieden.“

Auch heute, mehr als 40 Jahre später, sind die gesellschaftlichen Probleme drängend und gravierend. Auch heute fragen sich viele KünstlerInnen, wie ihre Beziehung zur Welt ist und was sie mit ihrer Arbeit bewirken können.

Der Begriff der „Totalen Kommunikation“ allerdings dürfte heute eher auf Ablehnung stoßen. Allzu sehr erinnert er an Aspekte wie Information Overkill, mediale Überwachung und permanentes erreichbar und online-sein.

Die Vorstellung allerdings, dass alle Menschen gleichberechtigt an der (globalen) Kommunikation teilhaben könnten und überhaupt erst dadurch eine Stimme haben und sich – auch politisch – Gehör verschaffen können, ist aktueller denn je. Und so ist es kein Zufall, dass Yoko Ono in den letzten Jahren vielfach für ihr Friedensengagement ausgezeichnet wurde.

BUILD A HOUSE

THAT SERVES ONLY

TO MAKE WAY FOR

THE MOONLIGHT

(Instruction Piece 1965)

zurück