16. Mai 2026

KOMPOSITUM-HAUFEN

Gestern stand ich im 15ten Stock eines Hochhauses unvermittelt vor einer verschlossenen Tür mit zwei Aufklebern. Auf dem ersten stand Brandschutztür und was alles verboten war. Und auf dem zweiten Aufkleber war lediglich ein einziges Wort gedruckt, aber das hatte es in sich. Es war eines dieser wunderbaren Komposita, für die die deutsche Sprache so bekannt ist. (wenn man mal von Sanskrit absieht…).

Ich denke oft: wer Deutsch spricht, darf Lego spielen. Einfach in die riesige Substantivwortschatzkiste (vierteiliges Kompositum) greifen und all diejenigen Legosteinchen rausholen, die man benötigt, um so exakt wie möglich die Person, das Ding, die Situation oder das Gefühl auszudrücken, die oder das man ausdrücken möchte. Dann klickt man die Steinchen aneinander. Das wichtigste Wort, auf das sich alle anderen beziehen, klickt man als letztes. Das Ergebnis kann dann exakte Verwaltungssprache sein oder poetische Spracherfindung. Ich erinnere mich an die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmütze meiner Kindheit, vermutlich extra fürs Zungenbrechen und Auswendiglernen erfunden. Nicht erfunden war gestern die Hochdruckwassernebellöschanlage. Fand ich beeindruckend. Ein echter Kompositum-Haufen.

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