01. Oktober 2011

UND ER REITET IMMER NOCH

Der Erlkönig scheint mich zu verfolgen (siehe letzter Blog-Eintrag): vor wenigen Tagen laufe ich durch die Nesenbachstraße in Stuttgart und stehe plötzlich vor einem gay and lesbian bookshop namens Erlkönig. (Aber wieso dieser Name? Der Slogan lautet „Sagenhaft gute Unterhaltung“, aber der Erlkönig ist eine Ballade und keine Sage – oder sollte man das nicht so eng sehen? Und unter dem Logo – halb Stuttgarter Pferdle, halb Zentaur – ist zu lesen: „Der Erlkönig war ja bekanntlich ebenfalls zu Pferd unterwegs“. Hm, ein bisschen weit hergeholt, oder? Aber ein schöner Name ist es allemal!)

Dann sendet mir ein Blog-Leser eine mms: er habe gerade in einem Buchtausch-Café einen Roman ergattert, dessen Cover er mir als Foto schicken wolle: Michel Tournier – Der Erlkönig.

Und gestern erhalte ich eine mail mit der Frage, ob ich denn Martin Walsers Tod eines Kritikers gelesen hätte, in welchem Marcel Reich-Ranicki in der Figur des André Ehrl-König parodiert wird.

So habe ich eine Bitte: falls in Ihrem Leben weitere Erlkönige herumreiten, mailen Sie mir schnell? Damit ich dieses Kapitel abschließen kann.

P.S.: Und zur Frage, warum Portis so ein guter Autor gewesen ist: unter anderem deshalb, weil er offenbar die Kunst beherrscht hat, „sowohl für den Professor, als auch für den Automechaniker zu schreiben.“ Und das ist nun wirklich eine Kunst! Ich gestehe, ich habe noch kein Buch von ihm gelesen, aber gerade kommt mir der Gedanke, dass womöglich einer der Stuttgarter Mercedes-Automechaniker, die ein aktuelles Erlkönig-Modell gerade mit Kunststoff verkleiden, großer Portis-Fan sein könnte. Und vielleicht kauft er seine Bücher in der Nesenbachstraße – und schon schließt sich der Kreis.

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